Zettelwirtschaft Teil 1

Das Problem beim Sortieren von Informationen besteht nicht nur darin, das Wissen verarbeitet und umgesetzt werden soll, sondern vor allen Dingen darin, zu wissen, wo man etwas findet. Das gilt für den privaten Bereich sowie für den schulischen- und gerade auch für die Arbeit.

Im Büro fallen sehr viele unterschiedliche Tätigkeiten fast gleichzeitig an. Abhilfe sollen die bekannten gelben Zettel schaffen. Mit denen soll das Chaos geordnet werden, doch oft gehen sie verloren oder der Zusammenhang einer Notiz ist nicht mehr erkennbar. Je mehr diese Zettel verwendet werden, desto mehr steigt auch wieder die Unübersichtlichkeit. Der Schreibtisch ist mit ihnen zugepflastert. Auch Programme, die diese Zettel simulieren gibt es zuhauf, doch auch sie lösen nicht das Problem. Irgendwann verliert man einfach die Übersicht über die ganzen Notizen.

Mehrere Programme nehmen sich nun diesem Umstand an und versuchen dem Anwender dergestalt unter die Arme zu greifen, dass ein solches Chaos erst gar nicht entstehen kann. Dabei betrachte ich hier einmal die Anforderungen eines Handwerkers, bzw. eines Handwerksbetriebes. Anforderungen können Organisation, Informationen und Wissen sein. Das Ganze stelle ich hier einmal vereinfacht in einer Mindmap (Gedankenkarte) dar:

Wissen im Betrieb

Es geht also darum, das einmal erworbene Wissen für alle befugten Mitarbeiter zugänglich zu machen. Ohne eine gut strukturierte Datenbank und festgelegte Arbeitsabläufe kommt heute kein Betrieb mehr aus. Datenbanken repräsentieren damit das Know-How eines Unternehmens. Nun muss aber ein Weg gefunden werden Arbeitsabläufe und Wissen so zu visualisieren, dass der Benutzer die für ihn relevanten Informationen schnell findet. Ebenso  müssen diese Wissensbestände ständig gepflegt werden und auf dem neuesten Stand sein. Niemandem nützt ein mehrere Hundert Seiten umfassendes Handbuch, wenn es doch im Regal verstaubt und von „anno dazumal“ ist.

Mitarbeiter, die aus dem Betrieb ausscheiden, gehen oft mit ihrem ganzen Wissen – mit ihrer ganzen Arbeitserfahrung. Handwerkliches Können lässt sich kaum in einer Wissensdatenbank abbilden, wohl aber relevante Informationen und Arbeitsabläufe. Gut, wenn der Betrieb einen Wissensspeicher hat, auf den schnell zugegriffen werden kann, in dem man zusätzlich nicht lange suchen muss.

Gefordert ist also ein Programm mit dem diese Zettel (Informationen) vorsortiert werden und bei Bedarf in die Wissensdatenbank eingepflegt werden können. Im Laufe der Jahre habe ich mir zwei Programme genauer angeschaut: Cuecards 2005 und den ZKN3 von Daniel Lüdecke. Neu für mich hinzugekommen ist OneNote 2010 aus dem Microsoft Office 2010 Paket. In den noch folgenden Beiträgen werde ich jedes Programm mit seinen Stärken und Schwächen vorstellen und u.a. Tipps für den sinnvollen Umgang mit ihnen geben.

 

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2 Antworten zu „Zettelwirtschaft Teil 1“

  1. Manuel Rodriguez sagt:

    Erweitert man das Problem “Mindmap” ein wenig, kommt man zwangsläufig auf Ontologien, d.h. auf Wissenslandkarten, zu sprechen. Wenn man diese grafisch mit Protege darstellt, entsteht ein ähnlicher Baum wie in deiner Grafik.

    Aber Ontologien sind um Grunde nichts neues, sondern nur die moderne Form von Frames (einem Konzept von Marvin Minsky aus den 1970′er). Frames sollten damals für Künstliche Intelligenz angewendet werden. Das Ziel war es, einer Maschine menschliches Wissen einzuprogrammieren. Dazu betrachtet man jeden Knoten der Mindmap als Objekt und diese wiederum kann von anderen Objekten abgeleitet sein (Vererbung). Klingt das nach C++? Nicht ohne Zufall …

    • edvdach sagt:

      Ja, genau! Mindmaps können beim Erstellen von objektorientiertem Programmcode oder auch der Strukturierung von Datenbanken sehr hilfreich sein. Auch für die Dokumentation setze ich diese Technik gern ein. Das Schöne ist, dass ich immer die Übersicht behalte, wenn ich Mindmaps richtig anwende. Eine andere Möglichkeit, die der KI näher kommt, ist das Clustering. Dabei entstehen „Gedankenwolken“ die untereinander verknüpft werden können. Hiermit versucht man z. B. neuronale Netze abzubilden. Das Ganze kann eine Intelligenz natürlich nur sehr spartanisch abbilden und eine Vererbung ist hier auch nicht gegeben.
      In einem IT-Kurs hospitierte ich vor ein paar Jahren bei einer Kollegin, die den Teilnehmern das Clustering erklärte. Sie gab einen Begriff vor. Jeder Teilnehmer, wir eingeschlossen, sollten alle Gedanken in Wolken schreiben, die sich in unseren Gedanken aus dem Begriff entwickeln würden. Das ging ganz gut und 29 von den 30 Teilnehmern hatten ihren Spaß daran und waren über ihre eigenen Gedankensprünge verwundert. Nur eine Teilnehmerin begann zu weinen und steigerte sich dermaßen da hinein, dass wir einige Zeit brauchten um sie zu beruhigen. So etwas kann eben auch ganz schön in die Hose gehen und wir haben das nie wieder bei einer Gruppe angewendet. An den Begriff erinnere ich mich nicht. Er war harmlos, hat bei der Teilnehmerin aber wohl etwas Extremes ausgelöst.
      Das Clustering entspräche dann auch mehr dem Zettelkasten (nach Luhmann), weil die einzelnen Zettel sich auf unterschiedlichste Weise verknüpfen lassen. Führt man so einen Zettelkasten konsequent weiter, dann bildete man zumindest einen Teil der eigenen Gedankengänge ab. So etwas kann man nicht mit MS-OneNote erreichen und das Programm ist auch nicht dafür konzipiert. Letztendlich kann man die Mindmaptechnik auch mit Bleistift und Papier durchführen und ist nicht auf einen Rechner angewiesen. Ich arbeite zurzeit am liebsten mit XMIND. Das Programm hat die Funktionen die benötigt werden und ist Freeware.

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